Bhakti Yoga

Bhakti Yoga – Weg des Herzens

Yoga hat in meinem Leben vor unzähligen Jahren als Ausgleich zum Windsurfen in Starkwindbedingungen begonnen. Dann war es ein Ausgleich zum vielen jobbedingten Sitzen – am Schreibtisch, in Pressekonferenzen, im Auto, im Flugzeug, im Kaffeehaus. Es ging also immer vorrangig um die Erhaltung meiner körperlichen Geschmeidigkeit und Beweglichkeit und um die Vermeidung von nagenden, quälenden Rückenschmerzen.

Bald hat sich aber herausgestellt, dass es noch eine andere Dimension gab, die mich beim Yoga erfüllte: Ich ging irgendwie immer leichter, beschwingter, zufriedener aus dem Yogastudio als ich hineingegangen war! Ich fühlte mich mehr im Einklang mit der Welt. Ein Gefühl, dass wohl alle Yogis kennen.

Und das lag nur teilweise an den Körperübungen oder Asanas. Es lag auch am tiefen Atmen und an den schönen, von Herzen kommenden Worten mancher Yogalehrerinnen und es lag an der von ihnen ausgewählten Musik.

Womit wir bei den Stichworten wären. Atmen. Worte. Singen. Musik.

Yoga kennt viele Wege und Bhakti Yoga ist als das (manche sagen der) Yoga der Hingabe, der unbegrenzten Liebe für die Welt einer davon. Bekanntheit erlangte das Wort Bhakti durch die Konzerte und Musikveranstaltungen, die als Bhakti Yoga Festivals an mehr und mehr Orten der Welt stattfinden. An Stelle des Fitness-Yoga-Booms der 90er Jahre ist vielerorts bereits das spirituellere Bhakti Yoga getreten. Warum?

Ich denke, weil wir es brauchen. Weil unsere Herzen es brauchen. Weil wir alle Liebe zu geben haben und spüren wollen und unser Alltag das zu wenig zuzulassen scheint.

Einer der Stars (und er würde diese Bezeichnung selbst nicht gern hören) der Kirtan-Szene ist Krishna Das. Ich habe ihn 2017 in Barcelona live erlebt. Für mich ist er seither aufgrund seines Aussehens, seines Akzents und seiner Stimme der Bruce Springsteen der Yogis.

„Im Bhakti Yoga“, sagt er, „erleben wir Dinge, die wir noch nicht wissen. Und zwar aus der Intuition und nicht aus dem Geist heraus.“ Er spricht von „bedingungsloser Liebe“, die wir so in unserem Leben noch nicht kennen würden und dass wir unser Herz von Fesseln befreien würden. (Nachzuhören unter https://yogainternational.com/article/view/krishna-das-what-is-bhakti.)

Meine persönliche Erfahrung ist, dass viele von uns über das Hören von Musik, das Singen und Tanzen viel schneller, viel direkter Einheit erleben als wenn wir andere Wege wählen.

Einheit, aber mit wem?

Schwer zu sagen und dann doch wieder nicht. Es ist ein strahlendes Gefühl der Wärme, ein positives Erleben von Zusammengehörigkeit, das sich beim Singen einstellt und immer weiter wächst und keine Begrenzung zu kennen scheint. Das aber auch umso diffuser und unklarer wird, je mehr wir versuchen, es in Worte zu fassen.

Das Sanskrit-Wort Bhakti kommt von bhaj, was so viel heißt wie „Gott verehren“. Bhakti Yoga bezeichnet einen Weg der Erleuchtung durch Liebe um der Liebe willen und die Vereinigung (mit Gott) durch Liebe. Im Westen tun wir uns oft mit einem Gott oder mehreren personifizierten Göttern schwerer, und wir stellen uns eher etwas Göttliches, eine alles zusammenhaltende Kraft oder ein Prinzip vor.

Ich fühle mich, wenn ich Krishna Das lausche oder Mantras singe, mehr eins mit mir und mehr eins mit den Menschen rund um mich und ich spüre klar, dass ich ein natürlicher Teil der Welt, des Universums bin. Bhakti Yoga überwindet den Anschein von Getrenntheit der Menschen voneinander und die erlebte Abgetrenntheit von der Natur und das in unserer Gesellschaft so präsenten Isolationserfahrungen.

Es erzeugt Vertrauen, dass das Universum mir wohlgesonnen ist und ich entspanne mich. Damit entsteht automatisch viel positive Energie in mir und ich empfinde Liebe für die mich umgebenden Menschen – aber auch für Menschen, die ich nicht kenne und die nicht unmittelbar Teil meines Lebens sind.

Manchmal stellt sich dieses Gefühl vielleicht in meinen Yogaeinheiten ein. Darüber würde ich mich sehr freuen. Wenn du tiefer eintauchen willst: Die nächste Gelegenheit, einen kleinen Kirtan bei uns zu erleben, ist übrigens der 18. März.

Andere bekannte Ausdrucksformen der universellen Liebe der Bhakti Yogis sind Pujas, Opferrituale oder Aratis, Lichtrituale oder überreich blumengeschmückte Altare für diverse Gottheiten. Das Schöne am Bhakti Yoga ist, dass es früh schon Frauen und Angehörige niedriger Kasten in Indien zugänglich war – ein Yoga, das demokratischer und toleranter war, als die klassischen spirituellen Yogawege, die Männern der oberen Kasten vorbehalten waren.

Jai Uttal, ein anderer bekannter Kirtan-Singer-Songwriter, dessen Musik ich gern in meinen Yogastunden verwende: „Bhakti ist für mich Kirtan-Singen, Musikmachen genauso wie Verheiratet-Sein und Vater-Sein. Mein kleiner Junge ist ebenso Ausdruck meiner Hingabe wie jedes Mantra.“

Meine Erfahrung ist, dass Bhakti Yoga überall sein kann: Sobald ich etwas mit Liebe und Aufmerksamkeit mache und jemand mit Liebe und Aufmerksamkeit begegne, begegne ich Gott oder der Energie, die uns alle miteinander verbindet.

„Sorg dich nicht, wie deine Stimme klingt – Kirtan bedeutet, dein Herz mit Liebe zu füllen, nicht ein großartiger Sänger zu sein.“ Auch da stimme ich Jai Uttal vollkommen zu.

Namastè

Claudia

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